Ins Tessin der Liebe wegen – Teil II

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Ins Tessin der Liebe wegen – Teil II

Die Liebe zum Tessin gehört der Vielfalt an Gegensätzen, die hier so harmonisch miteinander verschmelzen. Wo Gletscher sind, sind Palmen nicht weit, modernste Architektur bietet Kontrast zu sakralen Bauten und Arkaden-Gängen, von der Seerundfahrt kommend steigt man mit der Gondel hinauf auf hohe Gipfel. Viele kleine Momente wecken große Emotionen, was das authentische Tessin so unverwechselbar macht.

Wallfahrtskirche Madonna del Sasso

Heute geht es mit der Standseilbahn zunächst von Locarno nach Orselina. Ich habe es besonders bequem, denn mein schönes Hotel Belvedere, das in bevorzugter Lage etwas über Locarno thront und somit  den Blick auf den Lago Maggiore bietet, hat sogar eine eigene Haltestelle „Muralto Belvedere“. Nur wenige Minuten sind es hinauf zur Wallfahrtskirche Madonna del Sasso, die man auch entlang eines Kreuzweges mit Verkündigungskirche erwandern könnte.
Das Felsenkloster Santuario della Madonna del Sasso, ist ein Wallfahrtsort hoch über Locarno, von dem aus man einen großartigen Panoramablick über die Stadt und den Lago Maggiore hat. Errichtet wurde die Kirche um 1485 an der Stelle, an der dem Franziskanerbruder Frá Bartolomeo im Jahr 1480 Maria erschien. Schnell entwickelte sich Madonna del Sasso zum bedeutenden Wallfahrtsort. Der heutige Bau stammt im Wesentlichen aus dem 16. und 17. Jh. und beherbergt in seinem Inneren zahlreiche Votivtafeln und einen schönen Renaissancealtar. Ein besonderer Ort mit einer ganz eigenen Atmosphäre, den man gesehen haben sollte!

 

Orselina – Cardada – Cimetta

Aber es geht noch höher hinauf mit der Luftseilbahn von Orselina nach Cardada.
In nur fünf Minuten bringt mich die moderne Seilbahn, die vom Stararchitekten Mario Botta geplant wurde, von Orselina auf den 1340 Meter hohen Cardada.  Dort angekommen  muss ich  zuerst einmal innehalten und schauen: Locarnos Hausberg bietet – wie sollte es anders sein – eine atemberaubende Aussicht auf den Lago Maggiore und zudem eine angenehm frische, klare Luft – ganz anders als im schwül-warmen Tal.  Ein kleiner Spaziergang durch einen kleinen Wald öffnet weiter hinten auf einer Lichtung wieder neue Blicke. Besonders auffällig ist, dass hier auch alles sehr gepflegt angelegt ist mit Bänken zum Verweilen, Spielgelegenheit für Kinder und sogar niedrigen Slacklines zwischen den Bäumen zum Testen für diejenigen, die es einmal wagen wollen auf der Line zu balancieren.
Mit einer Sesselbahn fahre ich von hier  noch weiter nach Cimetta auf 1670 Höhenmeter.
Von der geologischen Beobachtungsstation aus genießt man ein unvergessliches 360-Grad-Panorama auf die umliegenden Alpengipfel und erkennt zusätzlich die unglaubliche Länge des Sees. Weil aber die Sicht leider nicht ganz klar ist, der Wind kräftig weht und ich nur eine zu dünne Jacke mitgenommen habe, entschließe ich mich zurückzufahren zum Hotel.

Hotel Belvedere

Das Hotel Belvedere ist wie eine  kleine Rückzugs-Oase, die zwischen einzelnen Unternehmungen einfach gut tut. Von hier aus lassen sich übrigens auch unterschiedlichste Radtouren unternehmen, Leihräder gibt es im Haus. Ich aber entscheide mich für eine entspannende Massage im Spa. Hier arbeitet man ausschließlich mit Naturprodukten einer Schweizer Herstellerfirma, was ganz stimmig zu mir und ganz zur Region passt.

Entspannt und mit neuer Energie aufgetankt geht es weiter auf Entdeckungen.

 

Terreni alla Maggia

Ich hatte von Reisanbau im Tessin gehört. Reis – so weit nördlich? Das muss ich näher wissen!
Das Landwirtschaftsgut Terreni alla Maggia, produziert neben eigenem Wein auch Polentamehl aus selbst angebautem Mais, Teigwaren aus Hartweizen von eigenen Feldern und auch Reis!
In den 1990er Jahren wurde auf dem sandig-lehmigen Schwemmland des Flusses Maggia in Ascona auf 198 Metern über dem Meer, versuchsweise mit dem Anbau von Reis begonnen. Seit 1997 wächst nun im Tessin auf einem der nördlichsten Reisfelder der Welt  Reis von der Sorte Loto. Das besondere dabei ist die Trockenbauweise. Der Reis steht also nicht im Wasser, sondern wird zwei Mal wöchentlich von oben bewässert.  Das ist sparsam im Wasserverbrauch, sehr effizient und bringt einen kleinperligen Reis hervor, der sich hervorragend für die Zubereitung von Risotto eignet. Jährlich werden rund 400 Tonnen davon eingefahren. Unter dem Label Riso Nostrano Ticinese gelangt in den Verkauf, was nicht die Chefköche der gehobenen Gastronomie in ihren Küchen verwenden. Die haben den Asconeser Reis längst schätzen gelernt.

 

Küchenchef Mattias Roock im Castello del Sole

Einer von ihnen ist  Mattias Roock, der als Küchenchef seit Frühjahr 2017 am Herd des Tessiner Fünfsternehotels Castello del Sole in Ascona steht. Er hat das große Glück, dass die Terreni alla Maggia und das Castello del Sole dieselben Eigentümer haben und er dadurch auf alle Produkte aus dem eigenen Garten und der eigenen Landwirtschaft zurückgreifen kann. Der Traum eines jeden Kochs!  Auf den Tisch kommt, was auf dem Hof produziert wird: Loto Reis , Getreide für Pasta, Mais für die Polenta, Gemüse, Obst und frische Kräuter. Sein persönlicher Favorit auf der Speisekarte des Gourmetrestaurants «Locanda Barbarossa» ist das Menü «Sapori del nostro orto» (Aromen aus unserem Garten), bei dem in jedem Gericht mehrere Produkte aus dem eigenen nachhaltigen Anbau stammen.
Mit seiner Philosophie den  „Garten auf die Teller zu holen“ lag er völlig richtig:

Bereits nach sechs Monaten durfte sich der aus Norddeutschland stammende Spitzenkoch über die Auszeichnung mit einem Michelin Stern und 17 Gault-Millau Punkten im Gourmetrestaurant «Locanda Barbarossa» freuen. «Meine Küche ist geprägt von mediterraner Leichtigkeit und baut auf das Fundament der klassisch französischen Küche. Eine Prise frecher geschmacklicher Abenteuer inspiriert von meinen kulinarischen Reisen verleiht meinen Kreationen eine ganz eigene Note», erklärt Roock.
Lesen Sie dazu auch:  http://www.lastsecrets.de/2018/07/locanda-barbaros…astello-del-sole/

 

Monte Veritá und Ascona

Noch eine weitere Besonderheit durfte  ich in den Gärten entdecken: Tee!  Angebaut wurde er ursprünglich am geschichtsträchtigen  Monte Veritá, dem Berg der Wahrheit, dem Ort der Freigeister und Künstler (Marianne Werefkin, Hermann Hesse, …), wo er bis heute kultiviert und in einem Teehaus zelebriert wird. Aus Platzmangel bat man die Terreni alla Maggia doch einige Teesträucher zu übernehmen, wo sie nun prächtig gedeihen.

Die einstige Künstlerszene des Monte Veritá beeinflusst übrigens bis heute das Leben in Ancona, wo viele Galerien zuhause sind und kulturelle Veranstaltungen wie das Ascona Jazz Festival für das ganz eigene Flair der kleinen Stadt sorgen.

 

Dinner im Ristorante La Fontana

Der heutige Abend gehört dem Hotel Belvedere.  Ich werde zum Dinner im Ristorante La Fontana erwartet. Während sich drinnen das Restaurant elegant, modern und mit live cooking Station zeigt, wähle ich die Terrasse mit ihrem großen Brunnen, herrlichen Palmen und der üppigen Vegetation.
Zeff, der mich bereits beim Frühstück immer aufmerksam umsorgt hat, hat mir hier einen schönen Tisch bereitet.
Ein Glas Franciacorta als Aperitif? Sehr gerne! Eine fruchtig frische Gazpacho bildet den Auftakt an diesem lauen Sommerabend. Noch ein paar extra Tropfen Olivenöl von Frantoi Beretta aus Sizilien dazu – perfekt!

Genau wie der Chardonnay, der sowohl die Gazpacho, als auch das nachfolgende Risotto al Limone harmonisch begleitet.  Sicher hätte er auch gut zum Merluzzo gepasst, aber ich hätte gerne ein Glas nicht zu schweren Rotwein, zum Kabeljau, der auf den Punkt gegart mit etwas roter Polenta daherkommt. Perfekt wählt Zeff die Cuvee Adènzia aus Sizilien von Cristo di Campobello.
Schnell wird klar, warum die große Terrasse bis auf den letzten Platz voll ist und auch das Restaurant drinnen gut gefüllt: Im Ristorante la Fontana speist man ausgezeichnet und bei äußerst freundlichem und flinken Service, so dass neben den Hausgästen auch Einheimische sehr gerne ins Belvedere zum Essen kommen!

 

Brissago Inseln

Mein letzter Tag: Noch ein paar Stunden bis zur Abreise. Gerade noch so viel Zeit um eine kleine Schiffstour zu den Brissago Inseln zu machen, die wahre Naturparadiese sein sollen.

Während die kleinere der beiden Inseln nicht betreten werden darf, damit seltene einheimische Pflanzen hier ungestört gedeihen können, dient die größere als botanischer Garten des Kantons Tessin. Rund 1500 Pflanzenarten, die sonst nur in subtropischem Klima gedeihen, werden hier seit dem 19. Jahrhundert kultiviert.
Das besonders milde Klima des Sees und der Windschutz der umgebenden Bergketten lassen die zwischen 1885 und 1928 von der russischen Baronin Antoinette Saint-Léger angelegten Gärten bis heute gut gedeihen.
Immer noch zu bestaunen, sind der Zimtbaum vom Himalaja, der nach Kampfer duftet, Gladiolen aus Madagaskar oder etwa  Zypressen aus den nordamerikanischen Sumpfgebieten, deren Stamm ins Wasser taucht. Auch hier auf der Insel findet man einige der Teepflanzen, wie sie am Monte Vertità angepflanzt werden.

Der deutsche Kaufhauskönig Max Emden, setzte dieses wundervolle Werk der Baronin  fort und  errichtete zusätzlich eine neoklassische Villa, in der heute ein Restaurant  für einen angenehmen Aufenthalt auf der Insel sorgt.  Ganz nebenbei sind einige großartige Werke des heimischen Künstlers Claudio Baccalà  aus Brissago zu bewundern, die mich in ihrer Leuchtkraft ganz besonders fasziniert haben.

Es gäbe noch viel zu entdecken im Tessin, das so viel Unterschiedliches zu bieten hat. Jetzt geht es auf den Heimweg. Ciao Ticino, vielleicht ein anderes Mal!

 

www.ticino.ch

 

@ticinomoments

 

www.isolebrissago.ch

 

Hotel Belvedere Locarno
Via ai Monti della Trinità 44 | 6600 Locarno
T. +41 91 751 03 63

http://www.belvedere-locarno.com

 

Hotel Castello del Sole
Via Muraccio 142 | 6612 Ascona
T. +41 91 791 02 02

www.castellodelsole.com

 

Terreni alla Maggia
Via Muraccio 105 | 6612 Ascona
T. +41 91 792 33 11

http://www.terreniallamaggia.ch

 

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Alle Inhalte Unterliegen dem Copyright und spiegeln lediglich die Meinung der Autorin wieder. Adelheid Wanninger, 2017