Bozen – die ganze Vielfalt von Nord und Süd

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Bozen – die ganze Vielfalt von Nord und Süd

Mal ganz ehrlich: Wie oft sind Sie in den letzten Jahren auf Ihrem Weg in den Süden einfach auf der Autobahn an Bozen vorbeigefahren – gedankenverloren, zielstrebig auf dem Weg zum Urlaubsort irgendwo am Meer in Italien? Dabei ist der Besuch der quirligen Südtiroler Handelsstadt wirklich lohnenswert! Ihr kulturelles Leben und die Offenheit der Menschen wurden über die Jahrhunderte geprägt von reisenden Kaufleuten und Künstlern. Bozen, im Norden von den Bergen flankiert, im Süden sich harmonisch weit öffnend, ist wie das Verbindungstor zweier Welten. Wer einmal bewusst hindurchgeht, wird es für immer lieben!

Bozen – ein Lebensgefühl

Die Reize der heute modernen, jungen Universitätsstadt erschließen sich bei einem Rundgang schnell. Idealer Ausgangspunkt für die Besichtigung der Altstadt ist der Waltherplatz, wo auch die Stadtpfarrkirche mit ihrem Turm aus filigranem Sandsteinwerk steht.

Architektonisch im Zentrum vorwiegend durch Gotik und Renaissance geprägt und im späten 19. Jahrhundert sowie frühen 20. Jahrhundert durch Historismus und Jugendstilhäuser ergänzt, bietet die Stadt mit ihren schmucken Fassaden überall anmutige Blickwinkel. Dass sich in den Gassen und unter den herrlichen Laubengängen Edelboutiquen, Geschäfte für Kunsthandwerk, Delikatessenläden und Vinotheken finden, macht Bozen zu einer beliebten Shopping-Stadt. Da entdeckt man Prada und Gucci einerseits, Trachten und Kultiges andererseits: traditionell Bodenständiges mischt sich mit mediterran Modernem.

Kulturell lockt Bozen neben zahlreichen Museen wie dem Merkantilmuseum, das zur Handels- und Wirtschaftsgeschichte erzählt, dem Stadtmuseum und dem Archäologiemuseum – dem Zuhause von Ötzi. Liebhaber zeitgenössischer Kunst besuchen das hochmoderne Museion, in dem derzeit Werke von Evelyn Taocheng Wang zu sehen sind. Ebenfalls einen Besuch wert ist Messners Mountain Museum Firmian auf Schloss Sigmundskron, das größte Bergmuseum der Welt und somit ein Muss für alle Alpinisten. Der erhabene Standort, südlich der Landeshauptstadt, ist bewusst gewählt: Von hier aus sieht man den Ortler, die Texelgruppe und den Rosengarten, ebenso wie die nahen Wandergebiete, die sich vom Stadtrand aus leicht mit Seilbahnen erschließen.

 

Bozen: weder Tirol noch Italien, sondern stolzes Südtirol!

Die Verschmelzung zweier Kulturen spiegelt sich besonders im lässigen Lebensstil der Einheimischen wider, wenn Gemüsehändler oder Winzer im Blauschurz mit Anzugträgern und Highheel- Damen gleichermaßen und wie selbstverständlich auf ein Gläschen Spritz in einer Bar zusammentreffen. Aber auch im Stadtbild, wo moderne Passagen und neu entstandene Komplexe wie der Waltherpark harmonisch neben Traditionshäusern wie dem zauberhaften Hotel Mondschein oder dem altehrwürdigen Laurin stehen. Besonders gelungen ist auch das neue City Center „Palais Campofranco“, mit seinem riesigen Ginkobaum, um den sich eine bewegende Geschichte dreht. Er war 1889 ein Geschenk der Kaiserin Sisi an Erzherzog Heinrich und überstand zwei Weltkriege unbeschadet. Um auch die umfassenden Sanierungsmaßnahmen des Areals gut zu überstehen, wurde zum Schutz für sein Wurzelwerk die „größte Vase der Welt“ aus Beton geschaffen.

 

Kulinarik und Wein

Neben der Zweisprachigkeit spiegelt sich die Dualität der Stadt auch ganz besonders in der unschlagbaren Küche wider: Da hat man die Auswahl zwischen Deftigem wie Schlutzkrapfen, Gerstlsuppe und Speckknödeln, oder der feinen Cucina italiana. Eine Mischung, die Feinschmeckern gefällt. So ist hier die Dichte der von renommierten Führern ausgezeichneten Lokale besonders hoch!

Die passenden edlen Tropfen stammen von der Weinhängen rund um Bozen. Das milde, mediterrane Klima sorgt für reiche Traubenernte. Zahlreiche Vinotheken laden zu Verkostungen, Seminaren und zum Genießen ein. Die erst vor wenigen Jahren neu errichtete Kellerei Bozen ist eine besondere Erfahrung, der wir uns später gesondert widmen werden.

Wir verbrachten drei abwechslungsreiche Tage in Bozen.

Vom Bahnhof aus sind es nur fünf Gehminuten bis zum Parkhotel Mondschein. Es besticht durch seine Lage mitten in der Stadt, seinen hübschen Retro-Stil und ganz besonders den zauberhaften Park mit Pool und Restaurant.

 

Wein schon seit Jahrhunderten

Bei einem ersten Bummel durch die Stadt fällt sofort der Straßenname Bindergasse auf. Hier waren die Fassbinder angesiedelt, die die Fässer zur Weinlagerung herstellten. Wein war also bereits im Mittelalter ein wichtiges Handelsgut. Auch die Wände des Gasthofes Cavallino Bianco sind mit Wandmalereien von Albert Stolz geziert und zeigen üppige Weinreben-Verzierungen. Ebenfalls entdecken wir am Torgglhaus an der Piazza delle Erbe solche Wandmalereien. Die Torggl selbst war übrigens die Traubenpresse.

Zeit für einen Aperitivo. Bei Banco 11 in der Dr. Streiter Gasse nehmen wir an einem der kleinen Tische Platz. Birgitta Puustinen, vor vielen Jahren der Liebe wegen hierhergezogen, leitet die Vinothek. Wir dürfen Weißburgunder, Lagrein Kretzer und natürlich vollmundigen Lagrein verkosten – alles von Weinhängen, die nur etwa fünf Kilometer entfernt liegen.

Im Traditionsgasthaus Vögele speisen wir zu Abend. Jetzt ist Spargelzeit und dazu begleitet ein Gewürztraminer ganz ausgezeichnet. Auffällig ist, wie gut besucht alle Lokale sind. Ob drinnen oder draußen, die Südtiroler speisen und trinken gerne zusammen, was einfach Ausdruck positiver Lebensart und Geselligkeit ist – wie schön!

 

Schloss Runkelstein

Nach ausgedehntem Frühstück geht es bequem mit dem Linienbus 12 zu Schloss Runkelstein. Die letzten Meter muss man sich dann selbst erobern. Steil geht es über das mittelalterliche Steinpflaster nach oben, denn das ‚Bilderschloss‘ thront auf einem hohen Porphyrfelsen. 1237 von den Adeligen Friedrich und Beral von Wangen erbaut, kam es erst 1385 zur vollen Blüte. Da erwarben die bürgerlichen Brüder Franz und Niklaus Vintler die Burg. Als reiche Händler wollten sie dem Adel in nichts nachstehen, bauten dazu und ließen die gesamte Anlage mit einzigartigen Wandmalereien ausstatten. Diese sind bis heute im Original bestens erhalten und sind somit ein außergewöhnliches Zeugnis der damaligen höfischen Welt. Turnierwesen, Vergnügungsspiele, Bekleidung und sogar die „Höfische Liebe“ sind im größten profanen Freskenzyklus des Mittelalters auf einzigartige Weise dargestellt. Den herrlichen Ausblick auf die Stadt Bozen und ihre umgebenden Hügel gibt es obendrein.

 

Restaurant Bogen

Unkompliziert geht es mit dem Bus wieder zurück in die Stadt. Schnell frisch machen im Hotel und dann in den ‚Bogen‘. Das hübsche Lokal liegt tatsächlich direkt bei einem Bogendurchgang in der Dr. Streiter Gasse. Man hat die Qual der Wahl: lieber an einem der kleinen Tische vor und neben dem Restaurant oder doch lieber drinnen Platz nehmen, wo ein großer Tisch in der Mitte dominiert? Uns schmeckt draußen das Vitello Tonnato mit einem Glas eiskalten Franciacorta besonders gut. Übrigens: der „Champagner“ aus der Region um den Iseosee ist eines der wenigen Nicht-Südtiroler Getränke, das hier auch die Einheimischen gerne genießen. Salute!

 

Museion und andere Entdeckungen

Den Nachmittag widmen wir der temporären Ausstellung im Museion, einem Spaziergang entlang der Talfer und einer Shopping Tour. Ein sensationelle Parfüm-Neuheit entdecken wir bei Thaler – einer Drogerie, die sich über vier Etagen erstreckt und immer wieder die absoluten Neuigkeiten der Kosmetik- und Parfümwelt bereithält. Aber auch Kleinigkeiten, wie etwa Schüttelbrot von der Bäckerei Hurtig und natürlich etwas Spielzeug und Babybekleidung aus dem Kinderladen im neuen Waltherpark. Unbedingt ansehen wollen wir uns auch noch einmal den kürzlich entstandenen Palais Campofranco, wo wir in der Salumeria & Vini Campo Franz den Weinkeller näher inspizieren. Wer ganz lieb bittet, der darf vielleicht sogar hinab in den Jahrhunderte alten Bereich des Kellers.

 

Restaurant Luna im Parkhotel Mondschein

Erholung am Pool des Hotel Mondschein und dann schick machen fürs Dinner im Restaurant Luna. Herrlich, dass wir draußen sitzen können und die ruhige Atmosphäre des Gartens genießen dürfen. Ein Sauvignon Blanc ergänzt die mit Käse gefüllten Zucchiniblüten und den Branzino ganz trefflich. Dazu ruhige Loungemusik im Hintergrund. Einfach ein perfekter Abend!

 

Teil 2  beschreibt den nächsten Tag in der Orchideenwelt und in der Kellerei Bozen!

Bozen – wo der Norden den Süden küsst – LastSecrets – Blog zu Reisen, Kulinarik, Wellness und Lifestyle von Adelheid Wanninger.

 

www.bolzano-bozen.it

www.runkelstein.info    (oder www.roncolo.info)

www.museion.it

Hotel Mondschein mit Luna Restaurant www.parkhotelmondschein.com

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Alle Inhalte unterliegen dem Copyright und spiegeln lediglich die Meinung der Autorin wieder. Adelheid Wanninger, 2020