Rothenburg hat einfach alles – Stadt, Landschaft und Natur
Über Jahrhunderte hinweg hat sich die Stadt Rothenburg ob der Tauber ihr malerisches Erscheinungsbild erhalten können. Die mittelalterliche Stadt mit ihrer Lage zwischen der Frankenhöhe im Norden und dem Taubertal im Süden sowie ihrer weltberühmten Silhouette ist eine Stadtlandschaft, ein gewachsenes Gesamtkunstwerk aus Kultur, Geschichte und Natur.
Auf der sanft gewellten Frankenhöhe entspringen zahlreiche Bäche, die sich tief in die Landschaft eingeschnitten haben. Die Tauber hat über Jahrtausende ein eindrucksvolles Tal geformt, das heute zu den reizvollsten Flusslandschaften Süddeutschlands zählt. Dabei ist die Landschaft rund um Rothenburg kein Naturraum im ursprünglichen Sinn – sie ist Kulturlandschaft, über Jahrhunderte vom Menschen geformt.
Gartenparadiese in der Stadt
Wer auf den Stadtturm klettert oder die Stiegen der Stadtmauer erklimmt, ist erstaunt:
Von hier oben sieht man weit mehr als rote Giebeln, Dächer und Türme – es ist erstaunlich grün! Zahlreiche kleine und größere Gartenparadiese bergen leuchtende Sträucher, Bäume und Blumen. Und in manche davon darf man als Gast auch Einblicke werfen. Ehrenamtlich zeigen die stolzen Inhaber, dass die Natur bis in die Stadt hineinreicht. Wir besuchten Christine und Mato, die erst 2019 einen langen, steilen Garten außerhalb der Stadtmauer erstanden haben. Dort, wo einst Gestrüpp wucherte, trifft man heute Hortensien, Tulpen, Dahlien, Rosen, Astern und vieles mehr an. In Hochbeeten werden Zucchini, Mangold und Paprika angebaut und dann hören wir es plötzlich: es summt und brummt. Fleißige Bienenvölker fühlen sich hier wohl und produzieren über 400 Kilogramm Honig im Jahr.
Wer in die Gärten schauen möchte, fragt bei der Touristinfo an und bekommt Ort und Zeit für die Begehung mitgeteilt.
Gasthaus Glocke
Abends treffen wir im Gasthaus Glocke – gleich neben dem Plönlein – einen „Gärtner“ anderer Art. Albert Thürauf bewirtschaftet Weinhänge. Aber davon will er morgen auf einem Spaziergang durch die Reben mehr erzählen. Jetzt sollen wir es uns erst einmal in seinem Traditionsgasthof schmecken lassen. Frischer Fränkischer Spargel und dazu ein Glas Sylvaner oder Müller Thurgau machen den Abend perfekt.
Albert Thürauf – Winzer und Wein mit Charakter
Seit Generationen bewirtschaftet die Familie Thürauf die Weinberge rund um Rothenburg – dort, wo die Sonne die Tauberhänge wärmt. Wer Albert Thürauf nicht kennt, könnte beim ersten Blick meinen, er wäre etwas „knorrig“. Doch beim Gang durch seine Reben spürt man sofort: Hier wirkt jemand mit Herz, Hand und Verstand. Gerne erklärt uns der Winzer die geologischen Gesteinsschichten, die hier schräg in der Region abgelagert wurden. Beste Voraussetzungen für Vielfalt!
Besonders gern pflegt Albert Thürauf alte, regionale Rebsorten wie Adelfränkisch, Hartblau, Pamid, Schwarzer Muskateller und den Tauberschwarz – eine seltene, fast vergessene Rotweinsorte, die im Taubertal ihre Heimat hat und hier mit großer Sorgfalt kultiviert wird. „Ein guter Wein braucht Zeit, Handwerk – und Liebe zum Ort, aus dem er kommt. Und er darf so schmecken, wie er aus dem Erntejahr eben wird. Wir geben keine Hefen zu, damit unsere Weine so werden, wie die Leute glauben, dass sie schmecken müssten.“
Bei einer Weinbergführung mit Rothenburgs Winzer erfährt man über Handarbeit im Steilhang, Trockenmauern, die Verbindung von Landschaft und Genuss und darf entlang eines Lehrpfads historische Rebsorten kennenlernen.
Villa Mittermeier – Genuss auf Sterneniveau
Abends besuchen wir Christian Mittermeier in seiner Villa Mittermeier. Sie steht für moderne Kulinarik mit internationalem Anspruch. Mit seinem Team setzt er auf außergewöhnliche Geschmackserlebnisse. Mit Küchenchef Thorsten Hauk und seinem Team wurde das Restaurant 2025 mit einem Michelin-Stern dekoriert. Zum kulinarischen Konzept aus möglichst regionaler Herkunft verbunden mit globaler Kreativität, kommt casual Fine Dining mit smartem Service in angenehmem Ambiente.
Zu jedem Gang wird auf begleitenden Kärtchen die Idee hinter dem Gericht erläutert. Die Möglichkeit die Gänge mit kongenialen Weinen aus dem eigenen Weingarten zu begleiten, rundet das Erlebnis ab. Die Villa Mittermeier ist ein Ort, den man selbst erleben muss.
Pilgern durch Stadt und Land
Ein neuer Tag, ein neues Erlebnis: Wir treffen Dr. Oliver Gußmann, Gästepfarrer an der St.-Jakobs-Kirche. In dieser Funktion begleitet er Pilgerinnen und Pilger auf ihrem Weg durch Rothenburg und das Taubertal. Seine angenehm ruhige Art lässt uns schnell über das Thema Pilgern philosophieren: Wer pilgert, aus welchem Beweggrund, und was zählt überhaupt alles zum Pilgern? Spiritualität erleben durch Gehen? Kaum sind wir fünf Minuten in der Kirche, als zwei Pilger eintreten, um sich am Portal ihre Stempel eintragen zu lassen. Oliver Gußmann und das Ehepaar kennen sich bereits. Diesmal wollen Wolfgang und Gudrun von ihrem Zuhause aus bis nach Santiago de Compostella gehen, rund 3000 Kilometer. Ein Ziel, das sein kann aber nicht muss. Das Ziel ist der Weg und die Erlebnisse und Begegnungen dabei.
Muscheln als Wegweiser
„Wer geht, entdeckt – nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst.“ Auch wir gehen ein Stück miteinander, die Muschel ist unser Wegweiser. Gute Gespräche begleiten uns.
Bei seinen „Spaziergängen zur Spiritualität“ verbindet der evangelische Pfarrer Geschichte, Theologie und Naturerlebnis. Er zeigt, wie sich der Glaube in Landschaft und Stadt widerspiegelt – in der gotischen Architektur von St. Jakob ebenso, wie in den stillen Pfaden der Jakobswege. Seine Führungen laden dazu ein, innezuhalten und den eigenen Weg bewusster wahrzunehmen.
Mit dem Ranger ins Taubertal
Mit dem Landschaftspfleger Till Scholl geht es vom malerischen Städtchen ins schöne Steinbachtal.
Der sympathische Gebietsbetreuer für das Taubertal und seine Seitentäler kümmert sich hier um das Thema Artenvielfalt. Die ehemalige Kulturlandschaft die über Jahrhunderte für Weinanbau und Obstanbau bewirtschaftet wurde, bietet mit ihren extensiv gemähten Steilhangwiesen wichtigen Lebensraum für viele seltene Pflanzen und Tiere.
So finden sich hier Sonnenröschen, Kronwicke und viele Orchideen-Arten sowie echte Ureinwohner Bayerns, wie etwa die Schmetterlingshaft. Der Erhalt dieser besonders artenreichen Wiesen und auch die Wiederherstellung historischer Kulturlandschaftselemente wie Trockenmauern und Kopfeichen sind die zentralen Aufgaben der Landschaftspflege.
Pflege Steilhangwiesen
„Nur durch regelmäßige Mahd können die Wiesen und ihr Artenreichtum bestehen bleiben. Dies erfordert im Taubertalgebiet ganz besondere Anstrengung. Die Hänge sind bis zu 50 Grad steil, der Untergrund harter Muschelkalk. Gängige landwirtschaftliche Schlepper und Maschinen sind für so steile Flächen nicht einsetzbar. Die Pflege bedeutet oft mühevolle Handarbeit, denn Flächen und Eigentum sind oft sehr kleinparzellig. Deshalb kann man hier nicht mit einer großen Schafherde, wie wir sie auf unserer Fahrt hierher sahen, beweiden. Die traditionelle Wiesennutzung zu erhalten oder durch Entbuschung wiederherzustellen, ist eine unserer wichtigsten Aufgaben“, erklärt Till Scholl.
Steinriegel, Trockenmauern und Kopfeichen
Schon vor Jahrhunderten wurden die Hänge im Taubertal mit Trockenmauern terrassiert. Sie dienten früher dem Weinbau. Steine, die bei der Bearbeitung der Flächen hinderlich waren, wurden aufgelesen und entlang der Hänge zu imposanten Steinriegeln aufgeschichtet. Trockenmauern und Steinriegel beherbergen u.a. Eidechsen und Schlingnattern. Auch die historische Nutzung der Eichen – das Holz zum Heizen, die Rinde zum Gerben – hat Spuren hinterlassen: Alte Kopfeichen stehen noch heute an den Flurgrenzen. In Rinde, Mulm und Totholz dieser Bäume finden zahlreiche Käferarten, darunter seltene Urwaldreliktarten wie z.B. Edelscharr- oder Kapuzenkäfer ihr Zuhause.
Führungen für Einheimische und Gäste
Der weltweit bekannte Tourismusmagnet Rothenburg ob der Tauber bietet der Gebietsbetreuung gute Gelegenheit, die Attraktivität des Taubertals bekannter zu machen, verbunden mit der Achtsamkeit, diese Einzigartigkeiten zu schützen und zu bewahren.
Wie schön, dass Rothenburg ob der Tauber seinen Gästen jährlich sieben Mal die Möglichkeit gibt, kostenlos mit dem Ranger an Führungen teilzunehmen und viel Wissenswertes zu erfahren. So wird die Sensibilisierung für den Lebensraum Taubertal und seine „Bewohner“ gefördert.
Landschafspflegeverband Mittelfranken: www.lpv-mfr.de









































