Val di Fassa – wo Moderne auf ladinische Lebensart trifft

"Folge mir auf facebook"

Val di Fassa – wo Moderne auf ladinische Lebensart trifft

 

 

Das Val di Fassa, eine Region, die nur 50 Autominuten von Bozen entfernt liegt, besticht allein durch seine atemberaubende Naturkulisse inmitten des UNESCO Welterbe der Dolomiten. Den besonderen Charme des Tals im nordöstlichen Trentino macht die Kombination der mediterranen mit der hier erhalten gebliebenen ladinischen Lebensart aus. Diese spiegelt sich sowohl in den regionalen Bräuchen und der einzigartigen Kulinarik wider, aber vor allem in der unverwechselbaren rätoromanischen Sprache, die in den Schulen der Region bis heute ein Pflichtfach ist.

 

Von Moena aus das Val di Fassa erobern

Von Bozen kommend, schlängelt sich die Straße zunächst durchs Eggental und dann über den ganzjährig frei befahrbaren Karerpass, bevor es wieder hinunter geht ins Fassatal. Bei Vigo di Fassa biege ich Richtung Moena ab. Der Ort, bekannt als die „Fee der Dolomiten“, liegt mittig zwischen den Tälern Val di Fassa und Val di Fiemme und ist beiden zugehörig. Er zeichnet sich durch seine Lage und sanften Tourismus aus. Vor vielen Jahren bereits hat sich der rund 2750 Einwohner zählende Ort für eine Umgehungsstraße entschieden und zusätzlich für verkehrsberuhigten Zonen im Ort selbst. So kann man hier die beiden Plätze und die Gassen mit ihren historischen Gebäuden in Ruhe bewundern und entdeckt dabei manch Jahrhunderte altes Fresko.

Neben dem Ortsteil Ciajeòle und Cernadoi trifft man sogar auf ein türkisches Viertel. Ob der Name einer alten Leinenpresse (torchio) geschuldet ist, oder eher der Legende um einen türkischen Soldaten, der nach der Niederlage der Türken in Wien 1663 über den San Pellegrino Pass in die Heimat zurückkehren wollte, aber erschöpft vor den Häusern des Viertels zusammenbrach und von Einheimischen gerettet wurde: man weiß es nicht sicher. Bis heute feiert man allerdings die Festa del Turchia im August und auch der Faschingsdienstag wird dem Türken-Thema gewidmet.

 

Malga Roncac  – ein echter Geheimtipp

Ich hingegen widme mich nach dem Bezug meines Hotels den kulinarischen Dingen. Die Malga Roncac hat sich in letzter Zeit einen guten Namen gemacht. Erhöht über Moena gelegen ist sie nach einer kleinen Abendwanderung – bitte mit Stirnlampe – ein echtes Highlight. Wildromantisch präsentiert sich die authentisch restaurierte Hütte und bietet besonders im Winter nur wenigen Gästen Platz. Reservieren ist also unbedingt notwendig, denn die gute Küche der – übrigens aus Südtirol stammenden – Inhaber hat sich schnell herumgesprochen!  Hausgemachte Tortelloni mit Rindfleischfüllung und Kalbsgulasch auf Kartoffelpüree schmecken köstlich. Ein Glas Trentiner Teroldego rundet das kulinarische Erlebnis ab.

 

San Pellegrino Pass – ein Traumgebiet für alle Könnerstufen

Mein Skiguide Cesare Pastore holt mich vom Hotel ab. Nach dem Auslleihen der Skiausrüstung fahren wir gemeinsam wenige Kilometer zum San Pellegrino Pass. Die Sonne scheint und lässt die umliegenden Berggipfel weiß-silbern glänzen! Es ist ein Traum im Sessellift zu sitzen und sich dem Cima Uomo immer mehr zu nähern. „Lass uns ganz nach oben fahren“, rät Cesare. „Von dort haben wir die beste Aussicht.“

Stimmt – man weiß gar nicht, wo man zuerst hinsehen soll. Die Felswand der Marmolada, die Monzoni, die Nachbarskigebiete Alpe Lusia oder Col Margherita oder die Hütten von Le Fuciade. Aber schließlich sind wir zum Skifahren hier und so genießen wir jetzt am Vormittag die breiten, vorwiegend roten Pisten, die so herrlich zum Carven einladen. Später wechseln wir auf die Seite zur Seilbahn Col Margherita und haben hier nochmals eine völlig andere Aussicht. Neben dem Latemar und Rosengarten faszinieren die Pale San Martino, die Civetta und der Blick auf Langkofel und Plattkofel sowie Teile der Sellagruppe.

Auch die Abfahrten Richtung Falcade machen Spaß und ich bin froh, dass mein fest geschientes, verletztes Knie erstaunlich gut „mitspielt“. Die steile Abfahrt vom Col Margherita zurück möchte ich ihm jedoch nicht zumuten und so entscheiden wir uns für die Seilbahnabfahrt. So bleibt wieder Kraft um die Hänge zur Baita Paradiso zu meistern.

Was hier im Gourmetstübchen, der Stua del Chamberlain, direkt vor den Augen der Gäste von Karim auf der Plancher und im Ofen gezaubert wird, kann sich nicht nur sehen lassen, sondern schmeckt einfach göttlich.  Der Hüttenchef Gino ist stolz darauf und auch Sohn Marco, der charmant und versiert den Service in der Stua meistert, weiß, dass hier alle nur zufrieden wieder auf die Piste gehen.

 

Schneeschuhwandern am Rosengarten

Noch einmal treffe ich mich mit Cesare, diesmal gleich vor Ort in Vigo di Fassa. Cesare hat Schneeschuhe mitgebracht, Rucksäcke und ein Lawinensuchgerät sowie eine Schaufel. „Bei Touren in dieser Jahreszeit ist es immer gut, auf alles vorbereitet zu sein. Auch dann, wenn – wie heute – ein niedriges Lawinenrisiko besteht“, erklärt der erfahrene Bergführer. „Es gibt ja rund 300 Skilehrer im Fassatal, aber nur etwa zwanzig Bergführer. Ich bin beides“ erzählt der leidenschaftliche Kletterer mit Stolz. Wie schön: da kann ich mich absolut sicher fühlen. Mit der Gondel Catinaccio Rosengarten  bewältigen wir die ersten Höhenmeter. Dann geht es von Ciampedie aus über einen verschneiten Forstweg stetig weiter hinauf. Unser ziel heißt Gardeccia Hütte. Aber selbst, als wir diese erreichen zieht es uns noch ein Stück höher hinauf. Wie silberne Wächter stehen die schimmernden Felszinnen über uns und scheinen jeden Schritt zu beobachten.

„Nur noch ein kleines Stückchen,“ motiviert mich Cesare, der jeden Felsspitz namentlich benennen kann. In vielen darin sind Klettersteige errichtet worden, die aber jetzt noch im Winterschlaf sind.

Kurz nach einem kleinen Waldabschnitt sehe ich endlich, was Cesare mir zeigen will: Da ist zum einen die Hütte Rifugio Preuss, die imposant mitten auf einem Felsen sitzt und nach einem berühmten Bergführer benannt ist, aber plötzlich taucht da noch etwas auf:  die dritte Spitze der Vaiolét Türme -ein atemberaubendes Bild.

„Viele denken, die Vaiolét Türme bestehen nur aus diesen drei Formationen, in Wirklichkeit sind es stattliche neun!“  Auch wenn ich sie nicht alle erfassen kann – ich bin einfach glücklich, hier oben in dieser unfassbar majestätischen Natur  und ihrer herrlichen Ruhe gewesen zu sein.  Über einen anderen Pfad geht es wieder hinab zur schlichten Gardeccia Hütte, auf der wir mit deftiger Pilz-Polenta – einem typisch ladinischen Gericht – als Stärkung belohnt werden.

Zurück im Tal heißt es Abschied nehmen, von meinem wunderbaren Ski- und Berg- Guide Cesare.  Irgendwann wird er mich vielleicht im Sommer über die Blumenwiesen hinauf zu einem der Klettersteige bringen.

 

Entspannen in der QC Terme Dolomiti

Für mich geht es nun zum Entspannen in die nahegelegene QC Terme Dolomiti. Gespeist mit dem schwefelhaltigen Wasser der Aloch Quelle, ist sie ein Ort der Erholung und des „Benessere“. „Sich-Wohlfühlen“ beginnt hier bereits am Empfang, denn man bekommt alles was man für den Aufenthalt benötigt: Bademantel, Handtücher, Badeschlappen…wunderbar! Das Einzige, was man hier benötigt, ist ein Bikini oder ein Badeanzug. Selbst in der Sauna ist Textil-Zone.

Auf drei Etagen finden sich Saunen und Wasserbecken aller nur erdenklichen Art, ergänzt durch Erlebnisduschen und Außenpool, Massagedüsen und Sprudelbecken. Die herrliche Aussicht auf die umliegenden Berge ist ein zusätzliches Geschenk der Natur. Zwischen den Saunagängen: Ruhen im Kaminzimmer, Träumen auf Schaukelliegen, Lesen in schwebenden Korbsesseln. Wie angenehm, dass es um 18 Uhr im Bistro einen Aperitivo gibt: Prosecco, Campari oder alkoholfreier Crodino, allerhand Häppchen wie Käse, Oliven und Gebäck sind bereits im Eintritt inkludiert. Eine nette Überraschung.

Die Abendsonne hält noch ein kleines Spektakel für mich bereit und färbt den Himmel über den Bergen zuerst leuchtend Gelb, um dann mit Orange das grande finale einzuläuten, bevor sie sich schließlich gänzlich neigt. Ein entspannender Abend, ein schöner Abschied!

Morgen geht es über den Karerpass zurück nach Hause. „Aber den Sommer hier musst du unbedingt auch einmal erleben“, meinte Cesare. Das werde ich und ich freue mich schon darauf!

 

www.fassa.com

Moena: infomoena@fassa.com

Skischule, Skilehrer, Skiguides:     www.scuolascimoena.it

Bergführer:      www.guidealpinedolomiti.net

Skiverleih Sport Navalge Moena:     sportnavalge.it

Skihütte mit Gourmetstube: Baita Paradiso:    www.baitaparadiso.com

Empfehlenswert –  Malga Roncac:      www.malgaroncac.it

QC Terme Dolomiti:      qcterme.com

 

Tipp um ladinische Kultur näher kennenzulernen:

Ladinisches Museum in Vigo di Fassa    istladin.net

Wer auf eine Reise durch die Legenden, Geheimnisse, bäuerlichen Traditionen, Bräuche und Traditionen  und die Sprache der Ladiner gehen möchte besucht das Ladinische Museum von Fassa , das auch  thematische Bereiche bereit hält.

Dort heißt es „Benvegnui“ – Willkommen!

Dies könnte Sie auch interessieren

Alle Inhalte unterliegen dem Copyright und spiegeln lediglich die Meinung der Autorin wieder. Adelheid Wanninger, 2020