Stille Tage im Cilento
Der Cilento ist eine Region in der Provinz Salerno im Süden von Kampanien, die den Parco Nazionale del Cilento, Vallo di Diano e Alburni umfasst. Durch den zweitgrößten Nationalpark Italiens zeigt er sich mit viel unberührter Natur. Seine lange Küste mit Badeorten wie Palinuro und Marina di Camerota sowie seine UNESCO-Welterbestätten machten ihn weithin bekannnt. Zudem gilt er als Ursprungsort der beliebten Mittelmeer-Diät. Gerade für Ruhesuchende empfiehlt sich der Spätherbst im Cilento, denn dann erlebt man hier stille Tage, ganz ohne „Overtourism“.
Agriturismo I Fornari – Oase der Ruhe
Man muss ihn sich schon erobern: der Cilento von Kampanien liegt etwa zwei Autostunden südlich von Neapel. Dann geht es über steile Serpentinen hinauf zum Agriturismo I Fornari (agriturismoifornaricilento.it). Dafür offenbart es sich als eine Oase der Ruhe mit herrlich entspannter Atmosphäre. Ein kühles Getränk und ein kleiner, angenehm warmer Pool sorgen für kurze Entspannung nach der langen Anreise. Entstanden ist die Agritur aus der sorgfältigen Restaurierung eines alten Bauernhauses aus dem Jahr 1754, das einst der Öl- und Weinproduktion gewidmet war. Familie Mautone hat es verstanden den ursprünglichen Charme des Anwesens zu erhalten. Mit Liebe zum Detail ist so eine authentische, friedliche Atmosphäre entstanden, fernab vom hektischen Alltagsrhythmus.
Rutino und Lustra – Rituale, Geschichte und religiöses Erbe
Wir wollen den Tag noch für Besichtigungen nützen und machen uns auf den Weg, zunächst nach Rutino. Dort besuchen wir die Kirche San Michele Arcangelo und das kleine Pfarrmuseum. Führerin Patrizia Spaguolo erzählt zur Geschichte der Kirche, über wichtige Rituale und religiöse sowie bäuerliche Feierlichkeiten, wie etwa den „Flug des Engels“ der immer am zweiten Sonntag im Mai stattfindet. Es sei die Kirche der Heiligen, der Poeten und der Helden, so Patrizia.
Weltlich hingegen wird die Führung durch die Cantine Barone (cantinebarone.it) Francesco Barone erklärt zu autochthonen Rebsorten, die zu lokalen Weinen vinifiziert werden, wie etwa dem weißen Fiano oder roten Aglianico. Probieren dürfen wir sie zu regionalem Käse und köstlichem eingelegten Gemüse von Nicola Volpe. Besonders lecker sind die süßen, roten Zwiebeln, die einfach hervorragend zum Wein passen (https://www.nicoterroircilentano.it/).
Abendessen im Castello di Rocca Cilento
Nach vielen Kurven, die dem hügeligen Gebiet geschuldet sind, erreichen wir Lustra und dort die Festung von Rocca Cilento. Barbara von der Rezeption führt uns in den Innenhof, der gerne für Festlichkeiten wie Hochzeiten gebucht wird. Von der Terrasse aus genießen wir den Blick auf das Lichtermeer, der unter uns liegenden Orte. Das Abendessen in den historischen Mauern ist bewusst regional gehalten. Zum frisch gebackenen Brot mit Olivenöl extravergine reicht man uns „Legumi“, eine wärmende Suppe aus allerlei verschiedenen Bohnen, Linsen und Kichererbsen. Eingelegte Oliven, Kürbisgemüse und Lammkoteletts schmecken einfach großartig. Alle Produkte kommen aus der Gegend und werden mit regionalem Olivenöl zubereitet. Ein Tipp für Genießer! (https://castellodiroccacilento.it).
Stella Cilento Natur, Handwerk und Rituale des Landes
Der kommende Morgen überrascht uns mit einem wundervollen Frühstück, liebevoll zubereitet von Grazia Mautone. Im Anschluss wollen wir die nächsten Orte erobern. Leider spielt das Wetter nicht mit und der geplante Ausflug auf den Monte Stella fällt buchstäblich ins Wasser. Wie schade: von hier aus hätte man weite Teile des Cilento überblicken können.
Doch Vincenzo Vaccaro weiß uns auch im Ort Stella Cilento einiges zu zeigen. Zunächst führt er uns zur Kapelle Sant’Antonio di Padova aus dem 16. Jahrhundert. Neben den drei Heiligenfiguren des St. Antonio, San Leonardo und Pasquale sind insbesondere die gut restaurierten Fresken bemerkenswert, die erst vor wenigen Jahren unter ihrer Übermalung zu Tage gebracht wurden. Auch die Kirche San Nicola di Bari birgt einen wahren Schatz. Es ist die Marmorstatue der Madonna della Stella aus dem 15. Jahrhundert.
Das „Casa della Musica“ hingegen ist ein privater, kultureller Raum in der Gemeinde, der alte Musikinstrumente zeigt, weil Musik hier eine tief verwurzelte Tradition hatte. Wie schön, bei der Gattin des letzten Musiklehrers im Privathaus eingeladen zu sein. „Italia“, so heißt die alte Dame, empfängt uns herzlich und zeigt uns mit Stolz kleine Schnitzfiguren und Kunsthandwerk ihres verstorbenen Mannes. Wir dürfen das Haus von Italia auch für eine Olivenölverkostung nützen (https://olioradano.com/), bei der uns die stark unterschiedlichen Geschmacksrichtungen auffallen. So kombiniert man das eine eher mit Gemüse und Fisch, das andere lieber mit Fleisch.
Gleich nebenan treffen wir auf altes Handwerk: Antonio Di Benedetto betreibt hier seine Korbflechterei. Die fertigen Werke wie Lampenschirme, Schalen und Körbe sind fast alle aus Kastanienruten und werden ausschließlich auf unterschiedlichen Märkten angeboten. http://stellacilento.asmenet.it
Sessa Cilento und das Tal der Mühlen
Auf dem Weg nach Sessa Cilento (https://www.comune.sessacilento.sa.it/) machen wir kurz Halt beim Palazzo Coppola (https://www.palazzocoppola.it). Hier beeindruckt jedoch mehr die ursprüngliche Architektur, da die Innenräume komplett neu renoviert sind und für eine Filmgesellschaft genutzt werden. Interessanter ist da schon der Halt bei San Mango, an einer der 22 Wassermühlen des Tales der Mühlen. Prof. Malatesta erklärt, wie man die Wasserkraft des Torrente Sorrentino bereits vor Jahrhunderten nützte, um Getreide zu mahlen. Übrigens nach griechischer Baukunst, durch die einstige griechische Kolonisation der Gegend. (https://ilborgodeimulini.it/).
Im Ort Sessa Cilento unterbrechen wir unsere Fahrt bei einem Fassbinder, einem Handwerker für die Herstellung von Fässern aller Art. Vorwiegend sind es natürlich Weinfässer, die benötigt und hier gefertigt werden. Hier werden jedoch Hölzer von Kastanie und Robinie verwendet, nicht wie andernorts Eiche. Das liegt einerseits am Vorkommen der Holzsorten, andererseits am hohen Tanningehalt, der für die Rotweinlagerung erwünscht ist.
Nach kurzer Mittagsrast und Erfrischung brechen wir noch einmal auf. Der Regen ist weitergezogen und kurzer Sonnenschein beschert uns nicht nur einen riesigen Regenbogen sondern zeigt die unglaublich schöne Hügellandschaft, die mit viel Wald überzogen ist.
Caselle in Pittari läßt alte Bräuche aufleben
Es ist schon spät und wir erreichen den nächsten Ort nach langer Fahrt erst bei Einbruch der Dunkelheit. In Caselle in Pittari (https://it.wikipedia.org/wiki/Caselle_in_Pittari ) erfahren wir im Gemeindehaus zunächst von Künstlern über die Wiederbelebung traditioneller Bräuche, wie den „Fiori alle Porte“, was jedoch ohne dem direkten Dabeisein bei diesem Erlebnis etwas schwierig zu vermitteln ist. Man muss es wohl selbst erleben, um zu verstehen was hinter diesem Brauchtum steckt. Auch für einen echten Eindruck vom Ort ist es leider schon zu dunkel, daher genießen wir lieber unser ausgezeichnetes Abendessen im Restaurant Zi Filomena, das wir wirklich empfehlen können. Die mit Ricotta gefüllten Kürbisblüten sind einfach grandios, ebenso wie der hausgemachte Panettone, den wir zum Dessert probieren dürfen. Mario und Isabella Pellegrino sind den langen Weg hierher absolut wert gewesen! (risorantezifilomena.com)
Marina di Camerota: Wo Geschichte auf kristallklares Meerwasser trifft
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