Büsum – ein Ort zwischen Watt und Wandel

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Büsum – ein Ort zwischen Watt und Wandel

 

Büsum, der drittgrößte Urlaubsort an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste und im Dithmarschen gelegen, hat sich in jüngster Zeit stark verändert. Wo einst Krabbenkutter das Bild bestimmten, prägen heute Strandkörbe, E-Bikes und moderne Architektur das Ortsbild. Und doch lebt das ehemalige Fischerdorf eine erfolgreiche Verbindung von maritimer Tradition und touristischer Moderne. Letztlich bestimmen bis heute das Meer und der Wind den ganz ureigenen Lebensrhythmus des Ortes.

Tourismus als Lebensader

Längst ist Büsum kein Geheimtipp mehr. Auf rund fünftausend Einwohner kommen über zwei Millionen Übernachtungen pro Jahr! Der Tourismus ist also existenziell und befindet sich durch veränderte Anforderungen in stetem Wandel. Das Nordseeheilbad Büsum hat reagiert und investiert. Weg vom reinen Badeort, hin zum ganzjährigen Gesundheits- und Erlebnisziel. Neue, moderne Hotels, die schöne Strandpromenade am erhöhten Deich und die modernisierte Familienlagune Perlebucht sind nur Beispiele. „Wir wollen weg vom reinen Sommerdomizil“, erklärt Tourismuschef Robert Kowitz. „Gutes Essen, Wellness und unsere einzigartigen Naturerlebnisse bieten wir schließlich das ganze Jahr.“

 

Wattführer im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer

Dem schließt sich auch der langjährige Wattführer Jan-Peter Franzen an, der über den Nationalpark und das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer erzählt. Wattführungen gehören für ihn zum Pflichtprogramm – ob klassisch barfuß oder als meditativer Spaziergang. Zweimal täglich zieht sich das Meer für einige Stunden zurück, und legt dabei eine ganz eigene Welt frei. „Die ist besonders als Nahrungsquelle für Vögel wichtig. Wir liegen hier auf der Route der Zugvögel, die sich vom Reichtum des Watts ernähren.“

 

Drei Generationen in „Kolles Alter Muschelsaal“

Im außergewöhnlichen Restaurant „Kolles Alter Muschelsaal“, das auf das Jahr 1920 zurückgeht treffen wir uns zum Abendessen. Über und über sind die Wände mit Muscheln verziert – teils mit Ornamenten, teils mit Muschelbildern – was eine ganz besondere, maritime Atmosphäre schafft.  Oma Kolle erzählt interessierten Gästen gerne, wie es dazu kam. Sohn Karlheinz, Küchenmeister und Restaurantfachmann ist der Gastgeber und nebenher aktiver Seehundjäger. „Viele haben hier eine völlig falsche Vorstellung. Unsere Hauptaufgabe ist der Schutz der Wildtiere, insbesondere der Heuler (den kleinen Robben), die oftmals verletzt oder alleingelassen gefunden werden.“ Sein Sohn Erik ist für die Küche zuständig und kreiert neben der berühmten Büsumer Krabbensuppe die köstlichen Fisch- und Fleischgerichte des Hauses. Gemeinsam mit den Eltern entwickelte er ein ganz spezielles, nachhaltiges Konzept für das neue Hotel, das sich auf den verschiedenen Etagen sogar farblich und in der Einrichtung widerspiegelt.

 

Grandhotel Nautimar – modern und großzügig

Wir genießen unseren Aufenthalt im neuen Grandhotel Nautimar, das durch seine ruhige Lage und sein maritimes und dennoch warmes Design besticht. Großzügige Zimmer und Suiten, teils sogar mit Sauna sorgen für einen absoluten Wohlfühlaufenthalt und guten Schlaf.

 

Rundgang durch Büsum

Nach einem köstlichen Frühstück treffen wir uns vor dem Watt’n Hus zum Ortsrundgang.  Das Watt’n Hus selbst ist ein riesiges Freizeit- und Informationszentrum, wie es wohl selten in kleinen Städten anzutreffen ist. Neben der Tourist-Information finden sich hier auf mehreren Ebenen ein Kinderspielzimmer, ein Jugendzimmer, ein Kino, ein Wintergarten und vieles mehr. Da ist wirklich an alles gedacht! Wir schließen uns einer öffentlichen Führung an und erfahren dabei allerhand Wissenswertes!

Besonders interessant ist es über die unterschiedlichen Häfen zu erfahren. Dabei ist das Hafenbecken 1 das älteste und dient heute als Museumshafen, der historische Schiffe beheimatet. Vom Ausflugshafen aus starten Rundfahrten und Besichtigungstouren zu den Seehundbänken sowie die Transfers nach Helgoland. Im Fischerei- und Frachthafen löschen Fischer ihren Fang, aber auch Frachtschiffe für Schüttgüter wie Futtermittel legen hier an. Der Yachthafen bietet Liegeplätze für rund 100 Boote. Ein Sperrwerk schützt den Tidehafen vor Hochwasser, gleichermaßen vor Trockenlaufen. Hauptattraktion ist und bleibt – obwohl er nicht begehbar ist – der rot-weiße Leuchtturm. Als Wahrzeichen ist er natürlich auch das beliebteste Fotomotiv.

Schließlich muss man auch unbedingt die Kirche St. Clemens, dem Schutzpatron der Seefahrer gewidmet, gesehen haben.  Sie birgt ein bronzenes Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert und, geschnitzt in eine Kirchenbank, das vielleicht älteste Abbild Martin Luthers.  Es gibt noch viel zu sehen, aber wir entscheiden uns für ein zeitiges Abendessen im Restaurant & Hotel zur Alten Post. Später haben wir noch etwas vor.

 

Zur Alten Post und Wohlfühlgarten Büsum

Das Gasthaus ist eines der ältesten an der deutschen Nordseeküste. Die junge Inhaberin Andra Hansen schafft es in unvergleichlicher Art, Tradition und Moderne zu verbinden. So hat der Gast die Wahl in altehrwürdigen Stuben traditionell zu speisen oder in modernen Räumen an Genuss-Events oder Weinverkostungen teilzunehmen.

Nach dem köstlichen Abendessen geht es noch in den Büsumer Wohlfühlgarten. So hat man den Kurgarten umgetauft und nimmt ihm damit das etwas angestaubte Image. Jeden Montag und Donnerstag finden dort abwechselnde Live-Konzerte statt und machen aus der Event-Location schon mal ein Tanz-Parkett. Die im Norden bekannte Sängerin Jasmin Rehse schafft es mit ihrer dunklen Jazz-Stimme jedenfalls bestens, Zuhörer und Tänzer gleichermaßen zu begeistern.

 

Spaß und Erholung im Wellenbad Meerzeit

Am nächsten Morgen geht es nach einem ausgiebigen Frühstück ins Meerzeit, das 2022 neu errichtet wurde. Das Wellenbad ist bei Einheimischen und Gästen gleichermaßen beliebt und gerade heute – bei trübem Wetter – bereits am Vormittag bestens besucht. Platz findet trotzdem jeder in der großzügigen Anlage mit Spa und Saunalandschaft. So wundert es nicht, dass die Meerzeit bereits 2023 mit dem ADAC-Tourismuspreis prämiert wurde.

Alle 30 Minuten gibt es im angenehm temperierten Meerwasser den Aufruf: „Seid ihr bereit?“, bevor im Anschluss herrliche Wellen auf die wartenden Gäste zurollen, die ihnen schwimmend oder hüpfend begegnen. Ein toller Spaß für Groß und Klein.

Natürlich tut auch ein bisschen Ruhe und Entspannung gut. Also nichts wie ab und in den Saunabereich, um dort vielleicht den einen oder anderen Aufguss zu erleben oder ein Meersalzpeeling in der Dampfsauna. Von den Schaukelliegen aus genießt man einen herrlichen Blick über die Nordsee. Die wollen wir später erkunden, aber das heute einmal so ganz anders, als bei einer Wattführung.

 

125 Jahre Wattenlaufen mit Musik

Spaß im Watt ist angesagt, denn heute findet das Spektakel „125 Jahre Wattenlaufen mit Musik“ statt. Angereist aus Hamburg ist dafür eigens die Gruppe mahoin. „mahoin“ vereint spritzig-frivoles Seemannsgarn mit bekannten Melodien aus den Häfen dieser Welt und unterlegt diese mit „stampfendem Beat“ und nordischer Musikalität. So steht es auf der Einladung geschrieben und wir sind gespannt.

Vor der Watt-Tribüne am Hauptstrand begrüßen zuächst Büsums Bürgermeister Oliver Kumbartzky und TMS Büsum Geschäftsführer Robert Kowitz die Teilnehmer – und die sind trotz Sonnenmangel zahlreich. Dann heißt es „runter mit den Schuhen und rein ins Watt“. Denn jetzt um fünf Uhr nachmittags ist das kurz mal weg. Für mich aus Südbayern ein immer wieder faszinierendes Phänomen! Dann nimmt „mahoin“ Fahrt auf und es heißt „Denn man tau“!

 

Tanz und Sommer Open Air

Im Watt wird gesungen, geschnackt (zu Deutsch: geplaudert), gelacht und getanzt. Und endlich ist weit draußen das Meer erreicht. Wer will, bekommt hier noch eine Neptunstaufe, also per Gießkanne etwas Meerwasser über sein Haupt. Dann geht’s bestgelaunt und begleitet von Musikstücken aus den Häfen dieser Welt zurück zum Festland. Und natürlich legt der eine oder andere noch ein Tänzchen dabei ein.

Nach Rückkunft aus dem Watt wird beim Sommer Open Air an der Watt-Tribüne weitergefeiert. Für das leibliche Wohl ist an Essens- und Getränkeständen gesorgt. Dass es dabei regnet stört hier übrigens niemanden. Schlechtes Wetter gibt es ja bekanntlich nicht – höchstens die falsche Kleidung!

 

Infos unter:

www.buesum.de

 

www.nautimar-hotel.de

www.kolles-alter-muschelsaal.de

www.zur-alten-post-buesum.de

 

Info: „mahoin“ ist eine Matrosen-Marching-Band der Extraklasse, handmade im Hamburger Hafen.

Blaskapelle? Nein! „mahoin“ – das sind die musikalischen Matrosen von morgen mit dem Pulsschlag von St. Pauli. Musikalisches Treibgut aus der ganzen Welt wird von Steuermann Johnny und seiner Crew abgefischt, nordisch neu interpretiert und tanzbar gemacht. Lebensfreude, schlüpfriges Seemannsgarn, norddeutscher Schnack mit maritimer Sehnsucht: das beschreibt die Haburger Jungs schon besser. „mahoin“ bringt mit seinem Konzertprogramm „Irgendwo auf der Welt“ die steife Brise des Nordens in die Häfen dieser Welt.

 

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Alle Inhalte unterliegen dem Copyright und spiegeln lediglich die Meinung der Autorin wieder. Adelheid Wanninger, 2020