Kulturlandschaft Lago Maggiore Teil 2

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Kulturlandschaft Lago Maggiore Teil 2

Der italienische Teil des Lago Maggiore bietet den Besuchern sowohl auf lombardischer als auch piemontesischer Seite zahlreiche kulturelle Sehenswürdigkeiten. In Teil 1 unseres Berichts erzählten wir bereits über die Rocca di Angera, Orte wie Cannobio und Cannero mit ihrer schönen Riviera, die Villa Taranto und ihrem botanischen Garten sowie beschaulichen Bergdörfern wie Oira im Hinterland. Die Borromäischen Inseln mit ihren kunstvollen Palazzi und üppigen Gartenanlagen sind ein weiteres, absolutes Muss bei einem Aufenthalt am Lago Maggiore.

 

Von Baveno oder von Stresa aus setzt man über, wenn man – wie wir – die kleinen, zauberhaften Inseln Isola Bella oder Isola dei Pescatori besichtigen will.

Wir dürfen uns glücklich schätzen, denn wir bleiben auf der Isola Bella über Nacht. Abends wandelt sich die Insel, wenn die letzten touristischen Besucher zurückkehren aufs Festland. Dann wird die Insel still und gehört den Einheimischen und einer Hand voll Gästen, die hier Quartier gefunden haben.

 

Isola Bella, die Perle des Barock

 

Die Isola Bella ist eine märchenhafte Schönheit im Lago Maggiore, eine der spektakulärsten barocken Garten- und Palastanlagen weltweit. In diesem Jahr feiert die Insel ihren Erfinder, Vitaliano VI., mit einer großen Ausstellung. Der heutige Nachfolger, Prinz Vitaliano Borromeo, betont: „Wir freuen uns, dass unsere Neuigkeiten nun wieder – unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften –  öffentlich zugänglich sind und darauf, dass die Gäste die Schönheit unseres Territoriums wieder erkunden und genießen können.“

400 Jahre nach der Geburt von Vitaliano VI. Borromeo und im Jahr des piemontesischen Barocks feiert die Isola Bella bis zum 1. November 2020 im Palazzo Borromeo ihren „Schöpfer“ mit der Ausstellung „Vitaliano VI. L‘invenzione dell‘Isola Bella“.

Die Besichtigung des Palazzos Borromeo mit seinen prachtvollen Sälen, Kunstwerken und einzigartigen architektonischen Schätzen wie den Grotten und den prachtvollen Gartenanlagen ist einfach überwältigend und atemberaubend schön! Nach der Isola Bella sollte man auch unbedingt die Isola Madre besichtigen, um dort in eine ganz andere Gartenkultur einzutauchen.

 

Isola Madre

 

Terre Borromeo nimmt Gäste hier mit auf eine Reise voller exotischer Farben und Düfte, zwischen den Blüten und seltenen Pflanzen des botanischen Parks im englischen Stil auf der größten der Borromäischen Inseln. Auf der Isola Madre schaffen Blütenpracht, exotische Pflanzenarten, Düfte und seltene Pflanzen eine idyllische Atmosphäre, in der die Zeit still zu stehen scheint. Möglich macht das das besondere Klima, welches hier, mittig zwischen den Ufern vorherrscht.

Auch im Palazzo Madre gibt es viel zu besichtigen. Am schönsten ist die Ausstellung der unterschiedlichsten Marionetten und ihrer zauberhaften, fantasievollen Theaterbühnen aus früheren Zeiten.

 

Bottega con Cucina: Il Fornello

Zurück auf der Isola Bella geht es abends ins Restaurant Il Fornello, das ebenfalls im Besitz der Familie Borromeo ist. Eigentlich ist das Il Fornello ein Laden mit ausgewählten Köstlichkeiten, die man an der Theke verkosten und kaufen kann, oder sich vom Küchenchef zubereiten lassen kann. Die wenigen Tische auf der kleinen Terrasse sind hübsch eingedeckt und mit direktem Seeblick in Richtung Stresa. Auch die Karte punktet mit lieber wenigen, dafür sehr typischen Gerichten. Unsere Wahl fällt auf Tartar vom Coregone aus dem See, dazu einen eisgekühlten Prosecco. Etwas regionaler Käse, den wir direkt an der Theke auswählen, mit einem kräftigen Rotwein beschließt den herrlichen Tag. Weit haben wir es nicht, denn wir übernachten gleich um die Ecke in den hübschen Isola Bella Borromeo Apartments.

 

Immer gut verbunden

Ausschlafen, früh morgens im See schwimmen, Frühstück auf dem Balkon des Hotels Elvezia und danach noch einmal in Baveno oder Stresa bummeln gehen – einfach herrlich! Die gut organisierte Schifffahrtsgesellschaft macht den Gästen das Hin- und Herkommen zwischen den Inseln und die Anbindung zum Festland einfach und angenehm.

Abends, wenn die großen Schiffe nicht mehr verkehren, nimmt man einfach das Inseltaxi. So machen auch wir es, um gegen 20 Uhr zur Isola dei Pescatori überzusetzen.

 

Isola dei Pescatori

Die kleine Fischerinsel bezaubert schon bei der Anfahrt. Schmale Gässchen, ziehen sich durch den Ort mit seinen vielen kleinen Restaurants und irgendwie scheint jeder Blick wie ein Stillleben. Oft hängen Fischernetze in den kleinen Eingangsbereichen, bunte Boote säumen das Ufer. Wir entscheiden uns zum Abendessen für das Ristorante Belvedere, das zum gleichnamigen Albergo gehört. Hier speist man in wunderschöner Atmosphäre beste traditionelle, italienische Küche und genießt dazu das sanfte Licht der sich neigenden Sonne.

Ein Hochgenuss ist der Fisch-Vorspeisenteller mit geräucherten und süß-sauer eingelegten Fischen sowie einer Fisch-Paté. Dann folgt eine Variation gegrillter Seefische, tagesfrisch gefangen und einfach vorzüglich zu einem frischen regionalen Weißwein aus dem Piemont.

Mit dem Schiffstaxi geht es zurück, das für uns zur Überraschung eine kleine Extra-Tour macht. Es bringt und an die Vorderseite der Gartenanlagen, die nachts besonders schön beleuchtet sind.

Ein würdiger Abschluss mit Eindrücken, die ewig in Erinnerung bleiben, bevor es am nächsten Tag zurück nach Hause geht!

 

Isola Bella Borromeo Apartments

www.isoleborromee.it/de/isola-bella

 

www.belvedere-isolapescatori.it

 

Noch ein besonderer Tipp:

 

Candoglia – Wo der Marmor des Mailänder Doms herkommt

Es ist eine Besonderheit und ein großes Glück, dass wir in der Ortschaft Candoglia den Steinbruch besichtigen dürfen, aus dem das Material für den Mailänder Dom gehauen wird. Die Cava del Duomo a Candoglia öffnet nur an rund fünf Tagen im Jahr ihre Pforten für Interessenten. Nach kurzer Wanderung erreichen wir die Stätte, an der die Marmorblöcke in Scheiben zerteilt werden. Weiß-Rosé soll der Marmor sein, meist ziehen sich auch hellgraue Adern durch die Blöcke. Ca. 80 Prozent des gewonnenen Materials ist Abfall, ein mühsames Geschäft.

Dann geht es noch höher, hinauf zur Cava del Duomo, der Höhle, dem Allerheiligsten, aus dem der Stein gebrochen wird. Es ist beeindruckend und fast ein wenig beängstigend – vielleicht liegt das nur am Starkregen und der düsteren Stimmung – aber es ist zugleich faszinierend zu sehen, wie viele tausende von Tonnen Gestein hier mit Diamantschneidern bereits abgetragen wurden.

Einen Block von 5 x 5 x 3 Metern zu gewinnen bedeutet gute 3 Monate Arbeit! Ein riesiger Kran am Eingang kann einen Block von bis zu 60 Tonnen Gewicht bewegen. Dimensionen, die kaum vorstellbar sind. Wir dürfen sogar in den oberen Höhlenbereich vordringen, der schon erschöpft ist und bisher nie von Besuchern besichtigt werden durfte, um uns das Ausmaß besser vorstellen zu können. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an den leitenden Mitarbeiter der Cava, die übrigens im Besitz des Mailänder Doms ist.

Aller Marmo di Candoglia ist ausschließlich dem Mailänder Dom (1387 erbaut) vorbehalten. Wer sich nun fragt „Warum? Der Dom ist doch fertig“, der irrt! Stets müssen von Witterung und Umwelteinflüssen zerstörte Teile erneuert werden, selbst wenn es die kleinen Spitzen, Gulia genannt, hoch oben sind, die niemand richtig sieht. Und es wird mit Sorgfalt und Herzblut gearbeitet. „Gott sieht es!“, erklärt Steinmetz Patrick Zinetti, einer von drei Bildhauern, die im ortsansässigen Betrieb für die Erneuerung der Gulie und Säulen zuständig ist – seit 18 Jahren bereits. In Mailand selbst gibt es noch weitere 15 bis 20 Bildhauer, die speziell an der Erneuerung der Statuen arbeiten. Pläne zur ständigen Renovierung gibt es bereits für die nächsten 300 Jahre!

 

Mergozzo und der Lago di Mergozzo

Tief beeindruckt fahren wir weiter nach Mergozzo, einem mittelalterlichen Städtchen am gleichnamigen See. Der See war einst Teil des Lago Maggiore. Weil aber der Fluss Toce stets Geröll aus den Bergen mitbrachte, die sich im See ablagerten, entstand eine Verlandung, die den Mergozzo See entstehen ließ.

Im kleinen Museo Archeologico erfährt man allerlei zur Historie und zur Besiedelung der Region, die vermutlich auf 6000 vor Christus zurückgeht. Stein war damals bereits wichtig, um Waffen zur Jagd herzustellen.

Der ortsansässige Künstler und Bildhauer Giuseppe Lusetti, 83, schuf 1996 eine fast 30 Meter lange Kette aus Granit, jedes Glied unzertrennbar miteinander verbunden. An der beweglichen Steinskulptur arbeitete der Künstler über zehn Monate lang. Eine weitere Kette von etwa 15 Metern Länge ist in seinem Atelier neben vielen Bildern zu bewundern!

Und noch ein Tipp: Im Ristorante Grotto la Dispensa, am Ortsrand, bietet Chef Carlo bodenständige italienische Küche.

grottoladispensa@gmail.com

Wer sich für die geologischen Gegebenheiten der Region interessiert, fährt nach Vogona, einem malerischen Städtchen mit Burganlage. Dort beginnt ein geologischer Pfad am Rande des Naturparks Parco Val Grande.

www.parcovalgrande.it

 

Lesen Sie auch Teil 1 des Artikels

Kulturlandschaft Lago Maggiore

 

 

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Alle Inhalte Unterliegen dem Copyright und spiegeln lediglich die Meinung der Autorin wieder. Adelheid Wanninger, 2018